Dienstag, 13. Dezember 2011

Zwei Fremde















Ich war auf dem Weg nach Hause, nach einem anstrengenden Arbeitstag. Ich stieg in mein S-bahn ein. Ein Fluss von Menschen folgte mir in den Zug. Ich zwängte mich durch die Massen. Ein freier Platz auf den sich keiner gesetzt hatte, lächelte mich an. Die Möglichkeit meinen müden Körper zu entspannen trieb mich an und ich nahm letztendlich den Platz. Als ich saß, schaute ich direkt in deine dunkelblauen Augen. In diesen Augenblick gefror die Zeit, die Welt blieb still stehen, der Hintergrundlärm verschwamm zu einem schwachen Murmeln. Das Herz schlug jetzt schneller und lauter, der Puls rauschte in den Ohren. Nur dieser Moment war noch da, in dem wir beide unsere Blicke in Verlegenheit tauchten. Ich sog dein holzig süßes Aroma in mich auf, als wäre es meine Luft zu atmen und füllte damit meine Lungen, mit dem schwerelosen Duft. Wir mustern uns und für einen Augenblick, hatten wir das vertraute Gefühl uns zu kennen.
Ich versuchte alles von dir in mir aufzunehmen, wie deine blonden Haare, die oben länger waren als seitlich, ein Undercut. Deine blauen Augen, die dem Ozean Konkurrenz machen würden, deine vollen Lippen die wie aufgeschnittene Aprikosen aussahen, sowie dein Nasenpiercing, dass mich an deine Menschlichkeit erinnerte. Die Pubertät hatte ihre Spuren auf deiner Haut hinterlassen. Eine Verbindung, die ich nie zu einem Menschen so schnell hatte, war nun so stark das ich beinahe in meinen Gedanken das Wort verliebt formte.
Doch dann kam der Riss, die Szene wechselte, die Kulisse veränderte sich, die Zeit fand wieder ihren Rhythmus und die Melodie in unseren Gedanken, hallte nur noch in unseren Köpfen nach. Der Lärm mit all seinen Stimmen und seinen Geräuschen drängte sich wieder in den Vordergrund. Die Magie verflog und wir beide wussten nichts mit der Situation anzufangen. Verschämt schauten wir in verschiedene Richtungen, doch tief in uns spürten wir es.
Unser Zug erreichte meine Station, und ich stand auf, in der Hoffnung noch einmal deine Augen zu sehen. In der Hoffnung, dass du aufstehen würdest und mich aufhalten würdest, mich fragen würdest wie ich heiße ,oder gar fragen ob ich dich nicht begleiten wolle. Doch nichts dergleichen geschah. Ganze 6 Stationen hatte ich es gefühlte, dass es mir nicht ausreichen würde. Ganze 17 Minuten hatte es mich zerrissen zu wissen, dass ich gehen würde, - ohne dich. Ganze 23 Sekunden sah ich dir nach bevor ich ausstieg, doch du sahst nicht mal auf.
Die Kälte durchdrang meinen Körper und ich ging meinen gewohnten Heimweg, ohne zu wissen wer du bist, oder ob du das selbe wie ich empfunden hattest, gar ob wir uns wieder sehen würden.
Zum Schluss, blieben wir Fremde, die sich im Herzen kannten.





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